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Liebe Mitglieder der armenischen Gemeinschaft in Deutschland,
liebe Freunde, Schwestern und Brรผder,
wir stehen an der Schwelle des neuen Jahres. In ein paar Stunden lassen wir das Jahr 2023 hinter uns und vor uns รถffnet sich ein neues Jahr.
Ein Blick zurรผck und wir sehen ein Jahr voller Ereignisse, Errungenschaften aber auch schmerzlicher Verluste. Die Welt steht leider weiterhin vor groรŸen und besorgniserregenden Herausforderungen. Der brutale Krieg in der Ukraine geht weiter und fordert Hunderte neue Opfer. Auch im Nahen Osten herrscht erneut Unruhe, was neues menschliches Leid und groรŸflรคchige Zerstรถrungen, Tausende von Opfern und hasserfรผllte Feindschaften mit sich bringt.
Unsere Sorgen um eine humanitรคre Katastrophe in Arzach durch die Blockade des Latschin-Korridors endeten mit einem noch viel grรถรŸerem Leid, nรคmlich durch den Verlust unseres geliebten Arzachs. Vor den Augen der internationalen Gemeinschaft vertrieb Aserbaidschan rund 120.000 Armenier gewaltsam aus ihrer angestammten Heimat und entvรถlkerte Berg-Karabach. Dieser Verlust hat tiefe Wunden in unserem Herzen und unserer Gefรผhlswelt hinterlassen und unsere nationale kollektive Wรผrde verletzt.
Das Leid und die unaussprechlichen Entbehrungen unserer Schwestern und Brรผder aus Arzach bereiten uns weiterhin groรŸen Schmerz. Den Bewohnern von Arzach wurde das grundlegendste Menschenrecht vorenthalten, das Recht, in ihrem Land frei zu leben und zu schaffen. Es war unvorstellbar zu glauben, dass das, was ihnen widerfuhr, im 21. Jahrhundert mรถglich wรคre. Die ganze Bevรถlkerung wurde gewaltsam ihrer Heimat beraubt und vertrieben.
Die Welt darf dieses schreckliche Verbrechen nicht dulden. Der vertriebenen Bevรถlkerung von Arzach soll unter klaren internationalen Garantien eine tatsรคchliche Mรถglichkeit gegeben werden, in ihre angestammte Heimat zurรผckzukehren. Die internationale Gemeinschaft ist verpflichtet, alle mรถglichen diplomatischen und wirtschaftlichen Mittel einzusetzen, um Aserbaidschan zur Achtung der verletzten Rechte der Menschen in Arzach zu zwingen. Es kann nicht toleriert werden, dass im 21. Jahrhundert die Macht der Gewalt รผber das Schicksal der Menschen entscheidet. Dies ist ein sehr gefรคhrlicher neuer Prรคzedenzfall in der modernen Geschichte, genau wie der tรผrkische Vรถlkermord an den Armeniern vor etwa 110 Jahren ein Prรคzedenzfall war.
Auch die Lage an den Grenzregionen zum aggressiven Nachbarland Aserbaidschan bleibt angespannt und Armenien steht vor neuen sicherheitspolitischen, aber auch wirtschaftlichen Herausforderungen.
All dies lรคsst uns in Deutschland nicht unberรผhrt. Um unseren aus Arzach geflรผchteten Geschwistern zu helfen haben wir Ende September eine Spendenaktion gestartet und erste Hilfen geleistet. Durch diese Spendenaktion leisten wir vor allem Hilfe zur Selbsthilfe, um den Familien einen Neustart und die langfristige Sicherung Ihres Lebensunterhaltes zu ermรถglichen. An dieser Stelle danke ich allen, die mit ihren kleinen und groรŸen Spenden sich an dieser Aktion beteiligt haben. Vergeltโ€™s Gott.
Um unseren bedรผrftigen Geschwistern in Armenien zu helfen, fรผhren wir auch dieses Jahr die Spendenaktion โ€žWeihnachtsfreudeโ€œ zu ihren Gunsten und mรถchten kinderreichen Familien, diesmal in der Region Syunik in Armenien. Diese Region ist einer der Grenzgebiete Armeniens, mit einer hohen Armutsrate. Kinderarmut liegt in dieser Region bei 29 %. Gemeinsam kรถnnen und mรถchten wir diesen Menschen mit Hilfspaketen unsere unterstรผtzende Hand reichen, Freude bereiten, Wรคrme und Hoffnung schenken.
Liebe Schwestern und Brรผder,
trotz der Belastungen des vergangenen Jahres mรถchte ich mit Dankbarkeit auf dieses zurรผckblicken und allen meinen aufrichtigen Dank aussprechen, die aufopferungsvoll ihren ehrenamtlichen Dienst fรผr die Aufrechterhaltung unseres Gemeindelebens leisten. Zahlreiche Begegnungen in unseren Gemeinden, auch 2023, haben mir ermรถglicht, wertvolle Verbindungen zu den Mitgliedern unserer Gemeinschaft zu knรผpfen. In verschiedenen รถkumenischen Begegnungen und Treffen konnten wir unsere Beziehungen und Zusammenarbeit mit unseren Schwesterkirchen weiter intensivieren und pflegen.
Das kommende Jahr liegt vor uns wie ein unbeschriebenes Buch, dessen Seiten darauf warten, von uns mit Liebe, Mitgefรผhl und neuen Fortschritten gefรผllt zu werden. Lasst uns gemeinsam in das neue Jahr mit Zuversicht blicken, im Wissen darum, dass der Herr uns fรผhrt und uns in seinen Hรคnden hรคlt. Mรถge die Armenische Kirche in Deutschland weiterhin ein Ort der Liebe, des Trostes und der Hoffnung sein. Ich lade euch alle ein, dieses neue Jahr mit einem festen Vertrauen auf Gott zu beginnen und uns gegenseitig zu stรคrken.
Mit Dankbarkeit fรผr das vergangene Jahr und mit Hoffnung auf das kommende Jahr, รผbermittle ich herzliche NeujahrsgrรผรŸe und beste Wรผnsche an unsere gesamte deutsch-armenische Gemeinschaft. Dies gilt insbesondere fรผr alle Mitglieder unserer Diรถzesangremien, unsere Seelsorger, Diakone, Messdiener und Chormitglieder, sowie fรผr alle Verantwortlichen in unseren kirchlichen und weltlichen Gemeinden und Vereinen sowie weiteren Institutionen. Mรถge das neue Jahr fรผr uns alle von Gesundheit, Segen und Frieden geprรคgt sein, und mรถge Gottes reicher Segen auf uns allen ruhen. Ich bete fรผr ein Jahr des Friedens, der Heilung und des Segens fรผr jeden Einzelnen von euch. Mรถge der Herr unsere Gemeinschaft stรคrken und uns im Glauben wachsen lassen.
โ€žBemรผht euch immer, einander und allen Gutes zu tun! Freut euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Dankt fรผr alles; denn das ist der Wille Gottes fรผr euch in Christus Jesus.โ€œ (1. Thes. 5, 15b-18)
Frohes neues Jahr und gesegnete Weihnachten!
Bischof Serovpรฉ Isakhanyan